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„Die katholische Kirche war nicht
manipulierbar“


Günter Schabowski zur Rolle der Kirchen
in der DDR

Die katholische Kirche wurde von den Machthabern in
der DDR als eine Kraft begriffen, die „von einer anderen
Zentrale gelenkt wurde“, die nicht manipulierbar
gewesen und an die man nicht herangekommen sei.
Dies betonte das frühere Politbüro-Mitglied Günter
Schabowski bei einem Pressegespräch in Fulda, zu
dem die GKP in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft
für Wehr- und Sicherheitstechnik eingeladen hatte.
Die kommunistische Führung, so Schabowski – dessen
berühmte Erklärung auf einer Pressekonferenz am
9. November 1989 die Maueröffnung auslöste – habe
großen Respekt vor der katholischen Kirche gehabt
und von daher auch das Eichsfeld als „katholische Exklave“
respektiert. Das Regime glaubte hingegen, die
evangelische Kirche beeinflussen zu können, doch
übersah es dabei, daß es viele aufrechte evangelische
Oppositionelle gab. Nach den radikalen Anfängen der
DDR sei man dann überzeugt gewesen, daß sich das
Christentum nicht ausrotten lasse. In der Regierungszeit
Erich Honeckers habe man der evangelischen Seite
Spielräume zugebilligt, und es sei das Konzept von
der „Kirche im Sozialismus“ entstanden.

Günter Schabowski unterstrich in dem Gespräch auch,
daß der Kommunismus mit seiner auf das Diesseits
gerichteten Ideologie eine große Verführungskraft entfaltet
und bei seinen Anhängern in der DDR zu einem
absoluten Realitätsverlust in Bezug auf das politisch
und wirtschaftlich Mögliche geführt habe. Marx sei
für ihn ein Philosoph, der geirrt habe, hob der frühere
SED-Funktionär und langjährige Chefredakteur des
SED-Zentralorgans „Neues Deutschland“ hervor. „Die
DDR ist untergegangen, weil sie ihre bescheidenen Errungenschaften
nicht mehr finanzieren konnte und die
Menschen immer verärgerter über die wirtschaftliche
Ineffizienz des Systems waren“, zeigte sich Schabowski
überzeugt. Er selbst habe genug von marxistischen
Experimenten, die alle versagt hätten. Die DDR
sei von Anfang an ein „internationalistisches Produkt
des Kommunismus“ gewesen. Aus aktuellem Anlaß
bezog Schabowski, der bereits 1999 einmal in Fulda
gesprochen hatte, Stellung zum Schießbefehl an der
innerdeutschen Grenze: „An der Grenze wurden unschuldige
Menschen umgebracht, und ein Regime, das
so etwas nötig hat, ist unmenschlich“. Er selbst räumte
ein, dieses Faktum damals verdrängt zu haben, denn er
habe noch an das kommunistische Konzept der Weltverbesserung
geglaubt.
Christof Ohnesorge')