document.write('GKP Südwest bei Armin Grunwald im Forschungszentrum Karlsruhe, Technikfolgenabschätzungsbüro

Karlsruhe/Berlin CO2-Ausstoß, grüne Gentechnik, Nanotechnologie: Um Gesetze mit großer Tragweite beschließen zu können, brauchen Abgeordnete fundiertes Wissen, das sie nicht in allen Bereichen haben können. Hier bietet das seit 20 Jahren bestehende Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag Rat und Hilfe.
Das Büro ist beim Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) beim KIT (Forschungszentrum) in Karlsruhe angesiedelt. Professor Armin Grunwald, Physiker und Philosoph, leitet beide Büros. Sieben GKPler aus der Region Südwest waren Mitte November 2009 zu Besuch bei Grunwald im Forschungszentrum in Karlsruhe.
Grunwald pendelt zwischen Karlsruhe und Berlin, verfügt über drei Büros: eines am Forschungszentrum, eines an der Universität - für seinen Job als Professor
für Technikphilosophie - und eines in Berlin. "Ich bin in der vergangenen Woche 3 200 Kilometer mit der Bahn gefahren. Im Zug arbeite ich", erzählt Grunwald über sein Berufspendlerleben.
Er kombiniert zwei Fachgebiete, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Physik und Philosophie. Das Physikstudium hat ihm damals nicht genügt. Also studierte er abends nebenher Philosophie. Und fühlte sich prädestiniert für einen Job im Grenzbereich der beiden Fachdisziplinen.
Die Idee der Technikfolgenabschätzung entstand beim US-Kongress Anfang der 70er- Jahre. "Die Regierung hatte immer dicke Studien, die Parlamentarier hatten nichts und wollten eine eigene Institution schaffen, die das Parlament in die Lage versetzt, über Gesetzesvorhaben urteilen zu können", erzählt Grunwald über den Beginn der Bewegung. So entstand 1972 das "Office of Technology Assessment" (OTA) - die laut Grunwald "Mutter aller
Technikfolgenabschätzungseinrichtungen". Das Büro musste 1995 allerdings seine Arbeit einstellen. "Das OTA galt den Republikanern immer als Instrument der Demokraten", erläutert Grunwald. Dafür machte das Modell in Europa Schule. Heute gibt es in fast allen nord- und westeuropäischen Ländern ein entsprechendes Büro. "Das ist im Moment ein europäisches Modell
und es gibt Anzeichen dafür, dass es auch asiatisch wird", berichtet Grunwald von ersten Versuchen in Japan und China. Seit dem Jahr 2005 berät das ITAS von Karlsruhe aus auch die Abgeordneten des Europäischen Parlaments.
Lassen sich die Folgen technischer Entwicklung überhaupt vorher
einschätzen? "Technik bleibt immer ein Experiment. Es gibt keine Garantie gegen Nebenwirkungen. Die Technikfolgenabschätzung kann aber dazu beitragen, dass ein Experiment möglichst gut durchdacht wird", betonte Grunwald in einem früheren Interview mit dem Badischen Tagblatt in Baden-Baden. Doch nicht immer ist die Arbeit der Folgenabschätzer verwertbar. Manchmal, räumt
Grunwald ein, kämpfe man mit der Methodenunsicherheit. Als Beispiel nennt er die synthetische Biologie. "Es geht um die Frage, ob die künstliche Herstellung neuer Organismen, zum Beispiel Viren, irgendwann einmal nützlich sein könnte. Da hat das Nachdenken über die Folgen die wirkliche Forschung schon weit überholt", äußert er sich kritisch über das eigene
Tun.
Das TAB wird vom Forschungsaussschuss beauftragt. Die Parlamentarier sind "unsere Kunden", wie Grunwald sie nennt. Wenn aktuelle Projekte auslaufen, gibt Grunwald dem Ausschuss das Signal, dass man wieder Zeit für neue Themen habe. Der Ausschussvorsitzende wendet sich dann an alle anderen Ausschüsse des Bundestags, mit der Bitte, Wünsche an das TAB mitzuteilen.
In der Regel werden rund 30 Ideen genannt, von denen die Wissenschaftler zehn Projekte übernehmen. Derzeit laufen Studien zu den Themen Forschung/Welternährung, Fortpflanzungsmedizin, Biomedizin, neue Energiepflanzen, Nanotechnologie. Um die Liste der zehn Vorschläge wird heftig gerungen. Klar muss von jeder Fraktion mindestens ein Vorschlag dabei sein, das Proporzdenken muss gewahrt bleiben. "Da gibt es aber viel Ernsthaftigkeit im kleinen Kreis. Wir versuchen, den Parlamentariern dabei
zu helfen, ihre Vorstellungen zu sortieren", berichtet Grunwald aus den Gesprächen im Forschungsausschuss.
Der 49-Jährige hält sich und seinem Team zugute, dass die Arbeit nicht interessengeleitet, sondern unabhängig ist. "Die Parlamentarier schauen auf unsere Studien anders, als wenn der Name eines Industrieunternehmens darauf steht", erzählt er uns GKPlern. Sein Ziel sei es, "Wissenschaft zu übersetzen in das,
was das Parlament braucht".
Was mit den TAB-Berichten passiert, "liegt nicht mehr in unserer Hand", erzählt Grunwald und nennt ein Beispiel: Als sie eine Expertise zur Mobilität erstellten und ein Tempolimit als eine mögliche Maßnahme bezeichneten, war der Aufschrei bei den Gegnern laut. "Schon allein die Erwähnung des Worts Tempolimit hat für einen Aufschrei gesorgt." Sind Abgeordnete also beratungsresistent? Nein, betont Grunwald, aber die Nutzung der TAB-Ergebnisse hänge immer auch davon ab, ob sie den Parteien ins Konzept passen.
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